Wer Kardinal werden möchte, kann dafür weder eine Bewerbung einreichen noch eine kirchliche Prüfung ablegen. Entscheidend sind die Priesterweihe, ein überzeugender Dienst an der Kirche und vor allem das freie Vertrauen des Papstes. Ich zeige, welche Voraussetzungen gelten, wie die Ernennung abläuft, welche Aufgaben Kardinäle übernehmen und warum nicht jeder Bischof automatisch in das Kardinalskollegium aufgenommen wird.
Die Ernennung hängt vom päpstlichen Vertrauen ab
- Der Papst entscheidet frei über die Ernennung neuer Kardinäle.
- Voraussetzung ist mindestens die Priesterweihe.
- Gefordert werden herausragende Lehre, Lebensführung, Frömmigkeit und Verwaltungskompetenz.
- Wer noch kein Bischof ist, muss grundsätzlich die Bischofsweihe empfangen.
- Das Wahlrecht im Konklave endet mit dem vollendeten 80. Lebensjahr, nicht aber die Kardinalswürde.

Der Papst entscheidet, nicht ein Bewerbungsverfahren
Die kurze Antwort auf die Frage, wie man Kardinal wird, lautet: Der Papst ernennt die Kardinäle frei. Es gibt keine öffentliche Ausschreibung, keine Kandidatenliste mit Abstimmung durch die Gläubigen und keinen festen Karriereweg, der automatisch zur roten Kardinalskleidung führt.
In der Praxis beobachtet der Heilige Stuhl über Jahre hinweg, welche Priester und Bischöfe Verantwortung übernehmen. Dabei zählen nicht nur ein bedeutendes Bistum oder ein hohes Amt in Rom. Ebenso wichtig sind pastorale Erfahrung, theologische Klarheit, persönliche Glaubwürdigkeit und die Fähigkeit zum Ausgleich. Gerade diesen letzten Punkt unterschätzen viele. Ein Kardinal muss nicht nur verwalten, sondern in schwierigen kirchlichen und gesellschaftlichen Fragen Orientierung geben können.
Der Papst kann einen Kandidaten aus Deutschland, Afrika, Asien oder einer anderen Region auswählen. Die Herkunft allein entscheidet nicht. Zunehmend spielt auch eine Rolle, ob das Kardinalskollegium die weltweite katholische Kirche angemessen widerspiegelt.
Diese kirchenrechtlichen Voraussetzungen gelten
Priesterweihe und persönliche Eignung
Nach dem Codex des Kanonischen Rechtes müssen Männer, die zu Kardinälen erhoben werden, mindestens die Priesterweihe empfangen haben. Außerdem sollen sie sich besonders durch Lehre, gute Sitten, Frömmigkeit und Klugheit in Verwaltungsangelegenheiten auszeichnen.
Das bedeutet nicht, dass jeder Kardinal ein berühmter Theologe oder Leiter eines großen Bistums sein muss. Entscheidend ist ein Gesamtbild. Dazu gehören ein guter Ruf, verlässliche Amtsführung, geistliche Reife und die Fähigkeit, Verantwortung für die Weltkirche zu übernehmen.
Die Bischofsweihe
Wer zum Kardinal ernannt wird und noch kein Bischof ist, muss grundsätzlich die Bischofsweihe empfangen. Ein Kardinal ist allerdings kein eigener Weihegrad. Die Kardinalswürde ist eine besondere kirchliche Stellung und kein Sakrament, das über der Bischofsweihe steht.
Für die Bischofseignung gelten eigene kirchenrechtliche Maßstäbe. Dazu gehören grundsätzlich ein Mindestalter von 35 Jahren, mindestens fünf Jahre als Priester sowie fundierte Kenntnisse in Theologie, Heiliger Schrift oder Kirchenrecht. Der Papst kann auch Persönlichkeiten auswählen, die nicht gerade ein großes Erzbistum leiten.
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Kein festes Mindestalter für die Kardinalswürde
Für die Kardinalserhebung selbst nennt das Kirchenrecht kein eigenes Mindestalter. In der üblichen Praxis sind Kandidaten jedoch erfahrene Geistliche, die bereits lange Verantwortung getragen haben. Eine Ernennung im höheren Alter ist möglich und kann ein Zeichen besonderer Anerkennung sein.
Umgekehrt ist ein Kardinal nicht automatisch wahlberechtigt. Mit dem vollendeten 80. Lebensjahr verliert er das Recht, an der Papstwahl im Konklave teilzunehmen. Seine Kardinalswürde und seine beratende Bedeutung bleiben davon unberührt.
So läuft die Ernennung praktisch ab
Der konkrete Auswahlprozess bleibt weitgehend vertraulich. Der Papst erhält Informationen aus verschiedenen Bereichen der Kirche und kann sich mit Mitarbeitern der römischen Kurie, Bischöfen und anderen Verantwortlichen beraten. Eine verbindliche öffentliche Bewerbung gibt es nicht.
- Aufmerksamkeit durch den kirchlichen Dienst entsteht etwa durch die Leitung eines Bistums, einer vatikanischen Behörde, eines Ordens oder eines wichtigen pastoralen Projekts.
- Der Heilige Stuhl prüft die Eignung und den bisherigen Weg des Kandidaten.
- Der Papst trifft seine persönliche Entscheidung und kündigt neue Kardinäle meist öffentlich an.
- In einem Konsistorium wird die Erhebung feierlich vollzogen.
- Der neue Kardinal erhält in der Regel einen Titel oder eine Diakonie in Rom und übernimmt seine Rechte und Pflichten.
Bei der öffentlichen Feier werden häufig der rote Birett, der Ring und weitere Zeichen der Kardinalswürde überreicht. Diese sichtbaren Symbole sind aber nicht der Kern des Amtes. Für mich liegt die eigentliche Bedeutung in der besonderen Verantwortung gegenüber dem Papst und der gesamten Kirche.
In seltenen Fällen kann der Papst einen Namen zunächst geheim halten. Dann spricht man von einem Kardinal in pectore. Solange der Name nicht veröffentlicht ist, entstehen die normalen Rechte und Pflichten eines Kardinals noch nicht vollständig.
Welche Aufgaben ein Kardinal übernimmt
Kardinäle bilden das Kardinalskollegium. Nach dem Kirchenrecht unterstützen sie den Papst gemeinschaftlich in Konsistorien oder einzeln in wichtigen Leitungsaufgaben. Viele arbeiten in der römischen Kurie, andere leiten weiterhin ein Erzbistum oder eine Diözese.
| Aufgabe | Praktische Bedeutung |
|---|---|
| Beratung des Papstes | Beratung bei wichtigen Fragen der Kirchenleitung und Weltkirche |
| Leitung eines Bistums | Verantwortung für Seelsorge, Verwaltung und kirchliches Leben vor Ort |
| Arbeit in der Kurie | Mitarbeit in zentralen Behörden und Einrichtungen des Heiligen Stuhls |
| Teilnahme am Konklave | Wahl eines neuen Papstes, sofern das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet ist |
| Vertretung des Papstes | Einsatz als Gesandter oder bei besonderen kirchlichen Aufgaben |
Die Kardinäle werden in drei Klassen eingeteilt: Kardinalbischöfe, Kardinalpriester und Kardinaldiakone. Diese Einteilung beschreibt vor allem Rang und Aufgaben innerhalb des Kollegiums. Sie bedeutet nicht, dass ein Kardinaldiakon weniger geistliche Verantwortung trägt.
Warum ein Erzbischof nicht automatisch Kardinal wird
In Deutschland werden vor allem die Erzbischöfe großer und historisch bedeutender Bistümer mit dem Kardinalat verbunden. Daraus darf man aber keinen Anspruch ableiten. Ein bedeutender Bischofssitz garantiert keine Ernennung, und umgekehrt kann der Papst auch Geistliche aus weniger bekannten Regionen auswählen.
Der Papst kann mit seiner Entscheidung bestimmte Schwerpunkte sichtbar machen. Dazu können die Unterstützung einer wachsenden Ortskirche, die Würdigung besonderer pastoraler Arbeit oder die Stärkung eines bestimmten Arbeitsbereichs gehören. Genau deshalb sagt die Zahl der Kardinäle aus einem Land nicht automatisch etwas über dessen kirchliche Bedeutung aus.
Auch Dienstalter allein reicht nicht. Ein Priester wird nicht deshalb Kardinal, weil er besonders lange im Amt ist. Erfahrung hilft, doch ebenso zählen geistliche Ausstrahlung, Urteilskraft und die Bereitschaft, Verantwortung über die eigene Diözese hinaus zu tragen.
Was häufig missverstanden wird
Ein Kardinal ist nicht automatisch der nächste Papst. Zwar wählen die wahlberechtigten Kardinäle den Papst, doch es gibt keinen offiziellen Bewerbungsprozess und keine festgelegte Nachfolge. Theoretisch kann sogar ein katholischer Mann gewählt werden, der bisher kein Kardinal war. In der modernen Praxis kommt das allerdings nur äußerst selten vor.
Ebenso wenig ist das Kardinalat ein weltlicher Adelstitel. Die rote Farbe steht traditionell für die Bereitschaft, der Kirche bis zum Einsatz des eigenen Lebens zu dienen. Sie ist daher eher ein Zeichen von Verantwortung und Dienstbereitschaft als von persönlichem Rang.
Eine feste Besoldung oder ein einheitlicher „Kardinalslohn“ gehört ebenfalls nicht zu den kirchenrechtlichen Voraussetzungen. Die finanzielle Situation hängt vielmehr vom jeweiligen Amt, vom Bistum oder von der Einrichtung ab, in der ein Kardinal arbeitet. Wer Kardinal werden möchte, sollte deshalb nicht auf Status oder Vorteile schauen, sondern auf einen langen Weg des kirchlichen Dienstes.
Der Weg zum Kardinalat beginnt lange vor der roten Mütze
Wer verstehen möchte, wie eine solche Ernennung möglich wird, sollte weniger auf Zeremonien und mehr auf den gesamten Lebensweg schauen. Im Mittelpunkt stehen Priesterweihe, fachliche Bildung, glaubwürdige Seelsorge und bewährte Leitung. Am Ende bleibt die Ernennung eine freie Entscheidung des Papstes und damit immer auch Ausdruck seines Vertrauens.
Für Gläubige in einer Pfarreiengemeinschaft ist vielleicht der wichtigste Gedanke, dass kirchliche Leitung nicht erst im Vatikan beginnt. Sie wächst aus täglicher Verantwortung, aus dem Zuhören und aus dem Dienst an Menschen. Das Kardinalat ist deshalb kein erreichbares Karriereziel im üblichen Sinn, sondern eine Berufung zu noch größerer Verantwortung für die Gemeinschaft der Kirche.
